asienkauffrauBönen – Immer mehr Unternehmen suchen Mitarbeiter, die über Kenntnisse verfügen, um mit den asiatischen Märkten zusammenzuarbeiten. Allerdings steht zum Beispiel das Fach „Chinesisch“ in der Regel nicht auf dem Stundenplan in der Berufsschule. Anders ist das beim Hansa-Berufskolleg in Unna. Dort gibt es die Möglichkeit, eine Zusatzqualifikation „Asienkaufmann“ zu erwerben. Drei Auszubildende der Bönener Unternehmen Kik und Euro OTC Pharma nutzen derzeit diese Chance.

Lara Stratmann hat sich von Anfang an für die Zusatzausbildung interessiert. „Wir haben in der Berufsschule Vorträge dazu gehört, und uns wurde empfohlen, uns darauf zu spezialisieren“, erzählte die 19-Jährige am Mittwochabend bei der Abschlussveranstaltung des aktuellen Projektjahres in der Europazentrale des Textildiscounters Kik.

Die junge Bönenerin ist zurzeit im zweiten Ausbildungsjahr zur Groß- und Außenhandelskauffrau bei dem Unternehmen beschäftigt. Als sie von ihren Ausbildern gefragt wurde, ob sie den Zusatzkursus belegen möchte, sagte sie sofort zu. „Es ist eine zusätzliche Belastung, aber natürlich eine Bereicherung“, erzählt sie.

Tatsächlich müssen die zehn Lehrlinge, die den Qualifikationskursus in Unna besuchen, einiges an zusätzlicher Arbeit parallel zu der regulären Ausbildung auf sich nehmen. Einmal wöchentlich wird etwa drei Stunden Chinesisch gepaukt – und zwar nach der Arbeit. Zudem besuchen die angehenden Asienkaufleute einen Kursus Außenhandelsprozesse und einen erweiterten Englischunterricht. Am Ende steht dann eine Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer.

„Unser Betrieb finanziert die Ausbildung“, berichtet Ilias Baaka, der ebenfalls bei der Firma Kik seine Ausbildung absolviert. Selbstverständlich ist das nicht, einige der Schüler müssen die Zusatzqualifizierung selbst oder zumindest teilweise bezahlen. „Interesse daran haben natürlich fast alle. Wir haben uns für die Auszubildenden entschieden, die im Einkauf tätig sind und damit wirklich Kontakt mit China haben“, erklärte Jörg Oudshoorn, Bereichsleiter beim Textildiscounter.

Interkulturelle Kompetenzen gefragt

Das Unternehmen hat seine beiden Azubis freigestellt, als sie im September für elf Tage nach Shanghai gereist sind. Dieser Austausch gehört zum Programm der Qualifizierung. „Schwerpunkt war dort die Zusammenarbeit mit unserer Partnerschule. Außerdem haben wir Betriebe besichtigt. Die Schüler haben in Projekten die Arbeitsverhältnisse in China mit denen in Deutschland verglichen, Interviews geführt und die Betriebe kennengelernt“, zählte der Leiter des Hansa-Berufskollegs, Günter Schmidt, auf. „Und natürlich geht es darum, die Teilnehmer für interkulturelle Kompetenzen zu sensibilisieren.“ Schließlich wissen nur wenige Europäer, wie sie sich bei offiziellen Treffen mit ihren asiatischen Partnern sicher auf dem gesellschaftlichen Parkett bewegen.

Partnerschule in Shanghai gefunden

Schmidt und drei seiner Kollegen begleiteten die Teilnehmer ins Reich der Mitte. Von den beiden Lehrern Marion Kadoch und Thomas Holzhausen stammt auch die Idee zu dem Projekt. „Viele unserer Ausbildungsbetriebe sind im asiatischen Raum tätig. Sie sind mit der Frage an uns herangetreten, ob wir sie nicht unterstützen können“, sagt Günter Schmidt. In Zusammenarbeit mit der IHK entwickelte das Kolleg schließlich ein Konzept. Die Schule suchte eine geeignete Partnerschule in China und bat das Konfuzius-Institut der Universität Duisburg-Essen um Hilfe. Das schickte nun nicht nur eine Dozentin für den Chinesischunterricht, sondern begleitet den Lehrgang auch fachlich.

Die drei Pädagogen sind selbst ganz bei der Sache. Gemeinsam mit den künftigen Industrie- und Groß- und Außenhandelskaufleuten büffeln sie chinesische Vokabel im Sprachunterricht. „Die Prüfung legen wir am zweiten Advent, Sonntag, 4. Dezember, gemeinsam ab. Und zwar um 9 Uhr in Duisburg“, machte Günter Schmidt das große Engagement der Absolventen deutlich.

Im ersten Durchgang 2014/2015 beschränkte sich das Projekt noch auf spezialisiertes Englisch und den Außenhandelskursus mit der Fachrichtung Asien. Der Austausch mit der Partnerschule in Shanghai fand in diesem Jahr hingegen erstmals statt. Im Frühjahr besuchten 14 Gäste von der Shanghai Economic Management School das Hansa-Berufskolleg und die angehenden Asienkaufleute, im September folgte der Gegenbesuch.

Wie es dort aussah zeigten die Teilnehmer am Mittwoch mit einem Film, den der Azubi Tom Breuer gedreht hatte. Außerdem erzählten die Teilnehmer ihren Gästen ausführlich von der Reise. Die zeigten sich begeistert: „Das entspricht dem Bedarf an entsprechend qualifizierten Mitarbeitern. Und das Projekt zeigt auch, wie innovativ die Schulen im Kreis arbeiten“, sagte Landrat Michael Makiolla vor der Zertifikatsübergabe am Mittwoch. Neben dem Hansa-Berufskolleg bieten nur zwei weitere Schulen im Land NRW die Zusatzqualifiaktion an – die Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung in Herne und Siegen.

Quelle: 11.11.23016 Westfälischer Anzeiger
http://www.wa.de/lokales/boenen/auszubildende-boenen-kreis-qualifizieren-sich-asienkaufmann-6965896.html

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